
Herr Ober, verdammt, warum ist dieser Fisch so teuer? – diese Frage kehrt, wie ein Bumerang in schlechten Träumen aller Kellner zurück. Wenn man sich ganz einfach überlegt, sollten wir hier in Masuren, im Land der 3000 Seen, die voller Fischer sind, eher das Gegenteil erwarten.
Man braucht hier manchmal nur 30 Minuten zu angeln, um keine Angst zu haben, dass zu Mittag nichts auf dem Teller liegt. Die Fischpreise sind hier aber höher als die Preise vom Fleisch und Hausgeflügel. Vielleicht für die aus Westeuropa stammenden Touristen, die an die Teuerung in diesem Bereich gewöhnt sind, ist das normal, aber für Polen mit viel geringerer Kaufkraft muss diese Situation schon irritierend sein. Es kam hier zu keiner Seuche, das Wasser ist nicht vergiftet und die Fische sind nicht ausgestorben. Der Fischfang und der Handel sind meistens in privaten Händen, und die Fischer werden auch von dieser Tätigkeit nicht besonders reich. Sie verdienen meistens zwischen 1200 und 1500 Zlotys. Der Grund der Teuerung ist aber, wie überall gleich: Steuerbelastungen und rechtliche Einschränkungen, die man auch teilweise im Rahmen der Anpassung unseres Gesetzes an die Normen der Europäischen Union, eingeführt hat.
Nehmen wir jetzt die Fischer von der Ostseeküste als Beispiel. Nicht alle unten genannten Kosten wurden durch EU verursacht. Laut Gesetz müssen sie und ihre Besatzung ständig geschult werden (Kosten 1000 Zlotys pro Person jährlich), dazu kommt noch die Lizenz zum Fischfangen (500 Zlotys), Rundfunkgebühren (1000 Zlotys), Pflichtversicherung in Höhe von 15 000 Zlotys, Hafengebühren 10 000 Zlotys, Gebühren für Fangquoten (400 Zlotys) und Tonnagegebühren. Bei dieser Arbeit sind auch die Brennstoffpreise wichtig, die 60% Akzisesteuern beinhalten. Die Kosten der Elektrizität darf man dabei auch nicht vergessen, deren Preise wegen der Monopolisierung der Branche durch staatliche Unternehmen, zu den höchsten auf der Welt gehören. Wenn jemand bei diesen Belastungen noch schafft, etwas zu verdienen, wird noch mit dem Einkommensteuer belohnt. Laut Abkommen mit der EU, werden jetzt so hohe Standards für Kutter eingeführt, dass laut Schätzungen ungefähr die Hälfte der Fischer von der Ostseeküste auf ihre bisherige Tätigkeit verzichten wird. Neue, scharfe sanitäre Fortschriften werden den direkten Verkauf von den Kuttern für die Fischer unmöglich machen. Polen bekommen keine finanzielle Unterstützung von der UE zum Anpassung ihrer Flotte an die neuen Standards. Nur für diejenigen, die ihren Job aufgeben, vorbereiteten die Beamten aus Brüssel das Geld. Auf die Fischer von der Masurischen Seenplatte wartet auch nicht bessere Zukunft. Jedes Jahr steigen die Preise für das Pachten des Sees, alle möglichen Steuern und Versicherungssätze werden erhöht, steigende Brennstoffpreise spielen auch hier eine deutliche Rolle. Und Jahr zu Jahr müssen immer mehrere Dokumente ausgefühlt werden.
In der Ökonomie gibt es keine Wunder – bei so hohen Belastungen und zahlreichen Einschränkungen muss der Fisch teuer sein. Nicht anders sieht die Sache in anderen Branchen aus, um die sich auch EU-Bürokraten und ihre treuen Nachläufer an der Weichsel gekümmert haben. Das unsinnige ökonomische System kann sich kein Land leisten. Auf längere Sicht halten es auch die reichen westeuropäischen Länder nicht aus, die immer noch über das seit Jahrzehnten gesammelte Kapital und moderne Technologie verfügen. Umso gefährlicher ist dieses System für solche Länder, wie Polen, die schon kurz nach der Wende und der Einführung der freien Marktwirtschaft neue Einschränkungen einführen mussten. Diesmal kam aber das Modell aus dem Westen. Die goldenen 90-er Jahre, wo Polen noch zu den sich am schnellsten entwickelnden Ländern gehörte, sind schon längst vorbei. Die Explosion der wirtschaftlichen Aktivität, Innovativität und der Zustrom von ausländischen Investitionen wurden durch immer größere Bürokratie und steigende Steuerbelastungen aufgehalten. In den letzten Paar Jahren haben etwa 300 000 ausgebildete, junge Polen das Land verlassen. Die meisten von ihnen verreisen auf der Suche nach der Arbeit und dem besseren Leben nach USA, Australien, Großbritannien, oder auch in die anderen westeuropäischen Staaten. Das hochwertige Menschenkapital wird wahrscheinlich für Polen für immer verloren gehen. Laut Schätzungen vorbereiten sich die nächsten 300 000 Bürger auf die Reise in die fremde aber vielleicht auch bessere Welt.
Jeder in Nikolaiken kennt die Legende von Stinghengst, der die Fische von Netzen befreite, von den Fischern gefangen und dann an die Bücke festgebunden wurde. In der Europäischen Union würde der König der Maränen nie zum Held geworden. Den Fischern würde sich nie lohnen die Fische zu fangen, und der Stinghengst selbst hätte auch niemanden, den er aus den Netzen befreien könnte. Aber 28 EU-Beamten in Nikolaiken und 407 im ganzen sensburger Landkreis würden sich überlegen, wie man die Subventionen verteilen könnte, die dem mutigen Fisch helfen sollten, sich umzuqualifizieren.
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